Leichtwind am ''ääääh ... 9. Tag''
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Segeln vor einer Front-Wolke – den Konkurrenten immer im Blick ( Foto© Richard Mason, "Assa Abloy"/ volvooceanrace.org) |
Skipper John Kostecki und seine internationale Crew bauten den Vorsprung vor der „Tyco“ (Bermudas) auf 27 Seemeilen und der „Assa Abloy“ (Schweden) auf 31 Seemeilen aus. Mit der Zielankunft wird für den Himmelfahrtstag (Donnerstag) gerechnet.
Ein Keil des Azorenhochs auf dem Kurs nach Europa hat den Starkwind der
vorigen Woche abgedreht und gibt den Mannschaften Gelegenheit zum
Durchatmen und Reparieren. Auf der „illbruck“ musste ein Schaden am
Jockeybaum (Spinnakerzubehör) und dem Mastbeschlag dafür behoben werden,
der vermutlich bei den enormen Belastungen während des
Geschwindigkeitsweltrekords entstanden war, den das deutsche Boot mit 484
Seemeilen in 24 Stunden aufstellte. Bei zwei bis drei Beaufort wird auf allen Yachten aufklariert.
Unterdessen gehen die Positionskämpfe im Feld unvermindert weiter. Die
schwedische „SEB“ muss zunächst weiter für ihren riskanten südlichen Kurs
tiefer durch den Kern des Hochdruckgebiets bezahlen und fiel 68 Seemeilen
hinter der „illbruck“ auf den sechsten Rang zurück. Vierter ist „News Corp
“ (Australien/52 sm zurück) vor „Amer Sports One“ (Finnland/Italien/63).
Schlusslicht blieb „djuice“ (Norwegen/73) nach der Aufgabe der Frauen von
„Amer Sports Too“ durch Mastbruch.
„...ääääääh, Tag Nummer neun“ – so hatte der Montag vermutlich für
Segeltrimmer und Steuermann Richard Clarke begonnen. Denn der geborene
Kanadier führt ein Fernseh-Tagebuch an Bord der „illbruck“ und muss sich
vor jedem Selbstinterview erst mal an den Tag erinnern. Andere, so wie der
Münchner Vorschiffsmann Tony Kolb, fragen häufig nach dem Essen oder
denken ständig an den Trimm.
Die Mannschaft der siebten Etappe mit Spitznamen und in Einzeilern:
Ich finde, jetzt ist eine gute Gelegenheit, ein paar typische Zitate von
der illbruck-Crew „herauszulassen“. Diese Einzeiler stammen aus den zwei
Jahren, die ich mit den Jungs verbracht und in denen ich sie gut kennen
gelernt habe – und von dem, was die Jungs meist sagen und tun auf einer
Rennyacht.
Tony Kolb (kein Spitzname): „hey mate, hand me another protein bar...“
(Hey Kumpel, gib mir noch einen Eiweißriegel). Alle, die Tony kennen,
müssten wissen, dass er das so vor ein paar Jahren nicht gesagt hätte. Vor
ein paar Jahren sprach er kaum Englisch, und jetzt spricht er perfektes
Kiwi-Englisch. Außerdem isst Tony mehr als jeder andere an Bord – ständig
das Essen anderer Crewmitglieder.
Stu Bettany: „Waffler“ – warum nur lautet sein Spitzname „Schwafler“? Weil
er mehr als jeder andere an Bord quasselt und wahrscheinlich auch mehr als
irgendeiner von einem anderen Boot. Kaum schlägt er in seiner Koje die
Augen auf, fängt er an zu reden und hört nicht mehr auf. Zitat: „wir
brauchen mehr Masttopbackstag“. Er ist auf Mast und Rigg spezialisiert,
guckt immer hoch zum Mast und stellt sicher, dass alles schön sicher ist.
Jamie Gale (kein Spitzname): „Was ist heute die Kleiderordnung an Deck?“
Neun von zehn Malen steht Jamie in Unterwäsche auf und brüllt die Frage an
die Crew an Deck, um herauszufinden, was die ideale Ausrüstung heute ist.
Richard Clarke (kein echter Spitzname): „.... äääääääh, Tag Nummer neun.“
Richard produziert ein Video-Tagebuch für National Geographic. Er
interviewt sich jeden Tag selbst, vergisst aber grundsätzlich, welcher Tag
es ist. Daher beginnt jedes seiner Interviews mit einem langgezogenen
„äääääääh“, während er versucht, sich an den Tag zu erinnern.
Noel Drennan: hat die meisten Spitznamen – „Nitro“, „Baz“ und „Terry“.
Zitat: „Oh nein Jungs, nicht schon wieder ein kaputtes Segel!“ Nitro
flickt nämlich alle unsere zerrissenen Segel an Bord. Er arbeitet hart und
macht einen ausgezeichneten Job, wenn er die Fetzen wieder zusammengefügt,
in die wir die Segel zerlegt haben.
Ray „Hooray“ Davies: “Juan, läuft die Sat B?” Hooray ist unser
Medienbeauftragter an Bord und fragt Juan ständig, ob die Satellitenverbindung steht, damit er sein Videomaterial abschicken kann.
Dirk „Cheese“ de Ridder: „Ein bisschen mehr Checkstay!“ Cheese ist in
seiner Wache für das Trimmen der Segel verantwortlich. Normalerweise
trimmt er den Spinnaker oder die Fock, aber schaltet sich auch immer ein,
wie die anderen Segel getrimmt werden sollten. Cheese treibt uns alle
voran und lässt dabei niemals nach.
Ross „Rosco“ Halcrow: “Hey, ist da noch was von dem Jerky übrig?“ Rosco
liebt an Land gutes Essen und die Bordküche schmeckt ihm überhaupt nicht.
Er weigert sich strikt, Power- oder Eiweißriegel zu essen, und besteht
darauf, sein Protein in Form von Trockenfleisch zu sich zu nehmen. Wenn es
nach ihm ginge, äßen wir an Bord nur Beef Jerky.
Stuart Bannatyne: Manchmal lautet sein Spitzname „Herme“, aber eigentlich
nennen wir ihn nicht so. Zitat: „Macht den hinteren Ballast voll, bitte.“
Stu ist einer unserer Wachführer und gibt immer schöne, laute, klare
Ansagen an die Crew. Obendrein ist er noch sehr höflich dabei, wenn er
Kommandos brüllt. „Bitte tu dies, bitte tu jenes...“
Mark „Crusty“ Christensen: Sein Spitzname hat sich derart eingebürgert,
dass ich manchmal vergesse, wie er wirklich heißt. Zitat: „Lasst uns A9
(Spinnaker) drauftun.“ Das A9 ist nämlich sein Lieblingssegel an Bord. Es
geht soweit, dass er schon von diesem speziellen Segel anfängt zu reden,
bevor wir auch nur im entferntesten dran denken können, es zu setzen.
Crusty ist glücklich verheiratet, aber manchmal denke ich, er liebt den
A9-Spinnaker mehr als seine Frau.
Juan Vila (kein Spitzname): „(mit hoher Stimme) Jungs, ich habe euch
gesagt, wir hätten mehr nach Süden gehen sollen.“ Juan ist das letzte
Whitbread-Rennen auf Chessie Racing gesegelt. Dee Smith, der Taktiker von
Amer Sports One, ist dabei mehrere Etappen mit ihm gesegelt. Juan bringt
das ganze Team zum Lachen, wenn er seine perfekte Dee-Smith-Imitation
hinlegt. Außerdem ist er dafür bekannt, dass er nicht in einer Koje
schläft. Manchmal finden wir ihn auf einem nassen Segel, komplett im
Trockenanzug und mit Lifebelt (Sicherheitsgurt). Er scheint überall besser
zu schlafen, als in einer Koje. Wir haben vorsichtig versucht, seine
Gewohnheiten zu verändern.
Die meisten nennen mich „JK“ und am häufigsten sage ich: „Nicht schon
wieder Rinder Teriyaki...“. Ich esse gern, aber nicht an Bord und schon
gar nicht die gefriergetrockneten Mahlzeiten. Das wurde zu einem echten
Problem, als ich zuviel Gewicht verloren hatte. Deswegen hat Richard
Clarke, unser Smutje, mir Ramin-Nudeln eingepackt. Die kann ich mir
kochen, wenn ich mal das Trockenmahl des Tages absolut nicht mag.
John Kostecki
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