Illbruck auf der Couch

26. Februar 2002 - Hatte die Illbruck eine Privatbrise? Ist das Team der in Leverkusen gebauten Yacht so unglaublich, wie es französische („l’incroyable "Illbruck") und englische Segeljournalisten formulierten? Was macht das Team so viel besser als die anderen, dass die in Leverkusen gebaute "Illbruck" nach der ersten Woche in der vierten Etappe von Auckland nach Rio führte, jetzt nach drei gewonnenen von vier Etappen mit sieben Punkten Vorsprung vor der Zweiten, der finnisch-italienischen "Amer Sports One", führt? Eines der Geheimnisse liegt sicherlich in guter Vorbereitung - und im außergewöhnlich stimmigen Teamgeist. seglermagazin.de analysiert ...

Skipper Kostecki im Grossbaum der "Illbruck" ( Foto © illbruckchallenge)

Die "Illbruck" wurde in einer extra dafür gebauten Halle in Leverkusen neben dem Stammwerk der Firma Illbruck gebaut. Doch schon bevor diese 19,50 Meter lange Yacht fertig war, trainierte die Mannschaft – zusammen. "Illbruck"-Skipper John Kostecki ( 37 Jahre alt) hatte mit der Mannschaft bereits beim Fastnet-Race den Volvo-Ocean-Renner gesegelt. Im November und Dezember 2000 – mehr als ein Jahr vor dem Start des Volvo-Ocean-Race am 23. September 2001 - testeten die mehr als 12 Segler des Teams einen neuen Kohlefaser-Mast. Und das beim Sydney-Hobart-Race, dass sie in ihrer Klasse gewannen und dessen Neuauflage ein Jahr später als Teiletappe zum Volvo-Ocean-Race gehörte. Schließlich ging die "Illbruck" über den Atlantik, ein Teil der vorgeschriebenen Qualifikations-Meilen.

Diese lange und intensive Vorbereitung ist sicherlich eines der Erfolgsrezepte der IllbruckChallenge. Aber kein Boot segelt nur wegen der Technik schnell, und ein Team, das nach langem Training Hand in Hand bei den Segelmnövern arbeitet, muss sich auch verstehen, um schnell und effektiv Rennen zu meistern.

Skipper Kostecki, der von Firmenchef Michael "Illbruck" die Gesamtverantwortung für die Mannschaft und das Segelteam bekam, wählte mit zwei Kollegen aus. Vom ersten Tag an war es ihr Ziel, die richtigen Leute zu finden, die für den Segeltrimm und das Steuern verantwortlich waren. Und die zusammen passten. Die Chemie musste stimmen, damit in harten Zeiten und bei einem Misserfolg keine falschen Töne in die Crew kamen und das Ziel – Regatten zu gewinnen- aus den Augen verloren wurde. Kostecki – und sicherlich auch Mike "Illbruck" - erwiesen sich dabei als gute Psychologen, als gute Gruppendynamiker. Wer vor dem Skipper steht – ob er einen schwarzen Anzug anhat oder Segelklamotten – bemerkt die große Ruhe und Gelassenheit des Mannes. Und seine Kraft, nicht die physische, sondern die zu Entscheidungen, zu eigenen Entscheidungen. Das Team packte auch die harten Situationen, in drei von vier Etappen holte die "Illbruck" von achtern auf – und gewann.

 

Das Boot

Die Illbruck ist eine "inhouse"-Produktion: Seit Herbst 2000 nahm im Werk der illbruck Automotive-Division in Leverkusen-Neuenkamp, wo sonst Kunststoffformteile der Gesamtfahrzeugakustik gefertigt werden, das neue, ziemlich ungewöhnliches Produkt Gestalt an. Am 31. März 2001 wurde das Boot schließlich auf den Namen "illbruck" getauft und wenig später per Tieflader als Schwertransport zur Verschiffung in die USA nach Bremen gebracht. Die Hauptkomponenten wurden in einer Kevlar/Schaumkern-Sandwichbauweise gefertigt. Die Arbeiten an der Yacht vom Typ Volvo Ocean 60, die vom Konstruktionsbüro "Farr Yacht Design" aus Annapolis gezeichnet wurde, starteten Ende September 2000, als der führende illbruck-Bootsbauer Killian Bushe die Konstruktionspläne aus den USA erhielt. Bis zum Roll-out aus der umfunktionierten Werkshalle hatten Bushe und sein Experten-Team aus erfahrenen Bootsbauern weit mehr als 22.000 Arbeitsstunden geleistet. Peinlich genau wurde darauf geachtet, die Rennyacht so leicht wie möglich, aber eben doch so steif zu bauen, dass sie den harten Anforderungen genügt. Insgesamt sechs Monate dauerte der Bau der neuen illbruck Challenge-Rennyacht. Die Hauptkomponenten wurden in einer Kevlar/ Schaumkern- Sandwichbauweise gefertigt. Währenddessen trainierten Skipper John Kostecki und seine Crew weiter. Im November und Dezember 2000 testeten sie erstmals einen Kohlefasermast, der seit 2001 durchs Reglement erlaubt ist, und dies gleich unter den harten Wetterbedingungen des Southern Ocean.

 

Risszeichnung

Die unterschiedliche Lage der Schwerpunkte im Riss der VO 60 Yachten (Grafik © JoAchim Geschke/ seglermagazin.de)

 

Das Rennen um die Welt der 19,50 Meter langen, 5,25 Meter breiten Yachten ist auch ein Kampf der Konstrukteure: Mani Frers (Sohn des berühmten German Frers, der "Amer Sports One" zeichnete), dem Neuseeländer Laurie Davidson ("djuice dragons") und dem allgegenwärtigen Bruce Farr ( u.a. "Illbruck" und die anderen). ) In einem bemerkenswerten Artikel hat Jochem Visser in der Dezemberausgabe der niederländischen Zeitschrift "Zeilen" untersucht, wie die Rechenkünstler die Regeln für die VO 60-Konstruktion ausgereizt und verändert haben.

 

So hat, berichtet "Zeilen", das Farr-Büro es geschafft, bei einem Trapezspant die Schwerpunkte der Wasserballast-Tanks in den Außenseiten der Rümpfe weiter nach oben zum Deck hin und zudem weiter nach außen zu legen als andere Konstrukteure. Die leicht einsehbare Folge: Bei Krängung liegt der Tank mit dem Wasserballast höher und weiter außen, also an einem längerem Hebel - und ermöglich so ein klein wenig, aber möglicherweise entscheidend aufrechteres Segeln.

Lesen Sie dazu auch:

 

Die "Illbruck" Crew

 

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Die VO 60 Yachten, Beispiel Illbruck

 

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Alle Yachten und Teams

 

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Das Rennen

Die Segelzeiten der Yachten auf der vierten Etappe:

1. "Illbruck" – 23 Tage, 5 Stunden und 59 Minuten

 

2. "djuice" – 23 Tg, 11 h, 52 min

 

3. "Tyco" – 23 Tg, 13h, 04 min

 

4. "Assa Abloy" – 23 Tg, 14 h, 22 min.

 

5. Amer Sports One – 23 Tg, 14 h, 50 min

 

6. News Corp. – 24 Tg, 21h, 55 min

 

7. Amer Sports Too – 25 Tg, 11h, 06 min

 

8. SEB – wegen Mastbruch aufgegeben.

Die Gesamtwertung:

1. "Illbruck" – 29 Punkte

 

2. "Amer Sports One" – 22 p.

 

3. “Assa Abloy” – 20 P.

 

4. “News Corp.” – 19 P.

 

5. “Tyco” – 18 P.

 

6. djuice – 17 P.

 

7. SEB – 12 P.

 

8. Amer Sports Too – 7 P.

 

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